Der Preis ist heiß?! Die KWK-Ausschreibung vom 3. Dezember 2018

Im Dezember hat die Bundesnetzagentur die dritte Ausschreibung von Förderungen für konventionelle KWK-Anlagen zwischen 1 und 50 MW und für innovative KWK-Systeme durchgeführt. Die veröffentlichten Ergebnisse zeigen einen Anstieg des Angebots, verknüpft mit leicht steigenden Zuschlägen im konventionellen Segment. Das innovative Segment ist von einem weiter rückläufigen Wettbewerb geprägt, hier klaffen Angebot und Nachfrage noch weit auseinander. Insgesamt ist das Investitionsklima für konventionelle und innovative KWK noch besser geworden. Es gilt also, Projekte für die nächsten Auktionsrunden „fit“ zu machen!

Wettbewerbslage in den Auktionen

Im Folgenden wird die Entwicklung des Wettbewerbs genauer untersucht. Nachfolgende Tabelle (Abbildung 1) zeigt dazu das Leistungsangebot und die Nachfrage in den bisherigen Auktionsrunden im konventionellen Segment (links) und im innovativen Segment (rechts). Die orangen Balken zeigen die bezuschlagten Leistungen auf, während die hellgrauen Balken für die nicht erfolgreichen Leistungen stehen (wegen Formfehlern oder aufgrund zu hoher Gebote). Die roten Marker repräsentieren die Ausschreibungsmengen in den Runden.

In der konventionellen Auktionsrunde vom Dezember kam auf eine Ausschreibungsmenge von 76,8 MW ein Angebot von rd. 104 MW. Theoretisch also eine deutliche Zunahme des Wettbewerbs gegenüber der Auktionsrunde zuvor, die jedoch dadurch aufgefangen wurde, dass drei Anlagen wegen Formfehlern von der Teilnahme ausgeschlossen wurden. Gemeinsam mit drei anderen nicht-bezuschlagten Anlagen stehen also rund 27 MW von nicht erfolgreichen Anlagen „in den Startlöchern“ für die Teilnahem an der Auktion im Juni 2019, in der nur noch 73,5 MW ausgeschrieben werden. Dass in dieser Runde fast 20% der Gebote ausgeschlossen wurden, zeigt auf, wie wichtig eine frühzeitige Vorbereitung auf den Gebotsprozess und eine Abklärung der Formalien ist. Jedoch ist trotzdem hervorzuheben, dass in dieser Runde wieder ein Preiswettbewerb eingezogen ist. Es wurden immerhin drei Gebote allein aufgrund des zu hohen Preises nicht beaufschlagt. Möglicherweise hatten diese aus den Erfahrungen der letzten (knapp unverdeckten) Runde heraus auf eine erneute Unterdeckung oder einen weiteren Anstieg der Gebotspreise spekuliert.

Auch diese Runde der innovativen Auktionen war wieder von mangelndem Wettbewerb gekennzeichnet. Auf eine Ausschreibungsmenge von 29 MW kam nur ein Angebot von rund 13 MW, mithin also weniger als 45%. Durch die Regelungen zum Ausgleich von Fehlmengen, kommt es in der nächsten Auktionsrunde zu einem Anstieg der Nachfrage auf immerhin 41 MW. Hervorzuheben ist dabei der Rückgang in der Angebotsmenge gegenüber der ersten Ausschreibung. So wurden nur noch drei Gebote in dieser Runde abgebeben. Dies ist insbesondre auch deswegen beeindruckend, weil in der letzten Ausschreibungsrunde noch zwei Gebote wegen Formfehlern ausgeschlossen wurden, so dass hier eine erneute Beteiligung zumindest gut vorstellbar war.

Das rückläufige Interesse an einer Teilnahme dürfte jedoch nicht auf eine mangelnde Wirtschaftlichkeit zurückzuführen sein – zeigen doch Wirtschaftlichkeitsberechnungen durchaus interessante Renditen auf, sondern eher auf rechtliche Unsicherheiten und Verzögerungen in den technischen Planungen.

Gebotshöhe und Struktur

Wie haben sich vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen die Gebotspreise entwickelt? Untenstehende Tabelle (Abbildung 2) zeigt dazu die minimalen, mittleren und maximalen bezuschlagten Gebotspreise der letzten Aktionsrunden im konventionellen Segment (links) und im innovativen Segment (rechts).

Obwohl gegenüber der letzten Runde aus dem Juni 2018 nun wieder ein Angebotsüberhang und somit die Voraussetzung für Wettbewerb vorlag, kam es im konventionellen Segment zu einer Zunahme der Zuschläge über das gesamte Gebotsfeld.

Hervorzuheben ist dabei die Zunahme des unteren und des mittleren Gebotswertes, das Gebotsfeld rückt also zusammen. Das untere Gebot von 3,49 Ct/kWh ist dabei vermutlich wieder (wie auch in der letzten Runde) ein strategisches Gebot, welches sich hier leicht unterhalb 3,5 Ct/kWh setzt (ein so genanntes „Supermarktgebot“). Die Zunahme des mittleren Zuschlagsatzes ist vermutlich ebenfalls weniger durch fundamentale Faktoren geprägt, als dadurch, dass die Bieter – bestätigt durch die letzte Auktionsrunde – zunehmend den Mut finden, sich leicht unterhalb der 5 Ct/kWh oder sogar darüber zu platzieren.

Bemerkenswert ist auch, dass die Preisstruktur, insbesondere in Bezug auf das maximale Gebot, durch die aus formalen Gründen ausgeschlossenen Gebote anders hätte aussehen können. Wären diese zugelassen worden, wäre auch ein Rückgang des Maximalgebots vorstellbar gewesen.

Die innovativen Systeme zeigen einen weiteren Anstieg des mittleren und maximalen Gebotsniveaus. So schöpft das maximale Gebot die Obergrenze von 12 Ct/kWh fast vollständig aus und erhält somit mit 45.000 Vollbenutzungsstunden Förderdauer eine spezifische Förderung von beeindruckenden 5,4 Millionen Euro pro MW. Eine Höhe, an die wir uns – vor dem Hintergrund des Nachfrageüberhangs der nächsten Auktion – in dieser Größenordnung wohl gewöhnen müssen.

Implikationen für die nächste Runde

Auch in dieser Runde haben sich die Auktionsmodellierungen als das Mittel der Wahl am Markt zur Optimierung der Gebotsstrategie etabliert. So konnte enervis auch als Marktführer der Auktionsmodellierung die erfolgreiche Marktplatzierung einer Vielzahl von Projekten unterstützen.

In Bezug auf die konventionelle Auktion verschärft sich möglicherweise der Wettbewerb in der nächsten Auktion noch einmal. Von den 73,5 MW Ausschreibungsmenge in der nächsten Runde könnte sich allein rund ein Drittel bereits aus den nicht erfolgreichen Projekten dieser Runde decken. Hierstellt sich die Frage, ob sich die Auktion davon losgelöst auf dem jetzigen Niveau einpendeln wird, oder ob der Preisruck dann doch zunimmt. Unabhängig davon lässt sich festhalten: Effiziente Projekte können bei Ergebnissen in der Größenordnung von 5 Ct / kWh sehr interessante EK-Renditen erzielen. Eine Teilnahme sollte also auf jeden Fall geprüft werden – insbesondere auch, um den möglicherweise anstehenden Anpassungen im Auktionszuschnitt (eine Aufnahme größerer Anlagen ist angedacht) zuvorzukommen.

Auch wenn die rechtlichen und technischen Hürden bei innovativen Projekten hoch sind, erlauben Fördersätze von 120€/MWh doch wirtschaftliche Projekte. Dies belegt auch die wiederholte Teilnahme erfolgreicher Akteure. Ein Erfolg in der Ausschreibung ermöglicht den Akteuren wertvolle Erfahrungen mit der Dekarbonisierung ihrer Wärmenetze und die frühe Vorbereitung auf einen wichtigen Zukunftsmarkt. Darüber hinaus ist hier der Ausblick, bedingt durch den Nachfrageüberhang, positiv – zumindest dann, wenn hier keine stärkeren regulatorischen Anpassungen vorgenommen werden, die mit zunehmender Dauer der Unterdeckung natürlich wahrscheinlicher werden.

Klar ist: Die Teilnahme an der nächsten Auktionsrunde ist auf jeden Fall hochinteressant! Den Unternehmen ist also zu raten, schnellstmöglich geeignete Projekte zu reaktivieren oder zu konzipieren. Hierbei ist es regelmäßig ratsam, externe Unterstützung – mindestens als Zweitmeinung – einzuholen. Eine frühzeitige Vorbereitung auf die Teilnahme ist dabei anzuraten.

enervis unterstützt Sie daher entlang des gesamten Konzeptionierungs- und Entscheidungsprozesses (s. auch Abbildung 3). Dieser beinhaltet typischerweise die folgenden Themen:

  1. Modellierung & Ausarbeitung der
    Preisprämissen
  2. Langfristige Wärmebedarfsmodellierung
  3. Anlagenkonzeption, Dimensionierung &
    Einsatzoptimierung
  4. Business-Case-Berechnungen und
    Ableitung des Minimalgebots
  5. Auktionssimulation und Gebotsoptimierung

Gern diskutieren wir dieses Thema mit Ihnen bei einem Inhouse-Workshop oder bei einem unverbindlichen Beratungsgespräch.

Ihr Ansprechpartner bei enervis

Herr Julius Ecke julius.ecke@enervis.de
Tel. 030 695 175 17

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