Brennstoff- und CO2-Preisprojektionen des World Energy Outlook 2018 stützen steigende Strompreiserwartung

Mitte November wurde der World Energy Outlook (WEO) 2018 veröffentlicht und anschließend auch in Berlin im Bundes-wirtschaftsministerium vorgestellt. Die jährlich erscheinende „Flaggschiff-Publikation“ der Internationalen Energieagentur (IEA) gilt als „Bibel der Energiewirtschaft“ und ist eine der meist zitierten und wichtigsten Publikationen zur künftigen Entwicklung der weltweiten Energieversorgung. Die im WEO entwickelten Szenarien werden international als Standard für Energiemarktprognosen verwendet. Auch für enervis ist der WEO seit vielen Jahren eine wichtige Quelle bei den Projektionen eigener Strommarktszenarien.

WEO 2018 – Brennstoff- und CO2-Preisprojektion

Im WEO werden verschiedene Zukunftsperspektiven der Energiemärkte – in diesem Jahr mit besonderem Fokus auf die Stromwirtschaft – anhand von Szenarien aufgezeigt. Im Zentrum steht traditionell das „New Policies Scenario“, welches angekündigte Politikmaßnahmen und -ziele in die langfristigen Marktprognosen einbezieht. So wird unterstellt, dass die globalen Klimaschutz- und CO2-Minderungsziele in den Industrienationen konsequent weiterverfolgt und umgesetzt werden. Ein wichtiges Instrument dabei sind sektorenübergreifenden Vereinbarungen zur Minderung der Treibhausgase. Die im „New Policies Scenario“ projizierten Brennstoff- und CO2-Preispfade sind für eine Vielzahl energiewirtschaftlicher Studien und Szenariobetrachtungen wesentlicher und anerkannter Benchmark.

Der im WEO 2018 prognostizierte Steinkohlepreis für die Region Europäische Union wird bis 2040 real nur leicht steigen. Der weltweite Kohleverbrauch bleibt im „New Policies Scenario“ insgesamt unverändert, weil der Rückgang in China, Europa und Nordamerika durch einen Anstieg in Indien und Südostasien ausgeglichen wird, so die IEA.

Im Gasbereich wird für den LNG-Markt ein rasantes Wachstum vorhergesehen und der Handel soll sich infolge der steigenden Nachfrage der Entwicklungsländer, insbesondere Chinas, verdoppeln. Das Risiko eines abrupten Angebotsengpass auf den LNG-Märkten wird aufgrund angekündigter neuer Großprojekte, insbesondere in Katar und Kanada, nicht gesehen.

Darüber hinaus wird angenommen, dass ein zunehmend integrierter europäischer Energiemarkt den Käufern mehr Optionen für ihre Gasversorgung gibt. Diese Faktoren sind für die IEA Gründe, um langfristig einen eher moderaten Gaspreisanstieg in Europa zu sehen.

Hinsichtlich der Entwicklung der CO2-Emissionen zeichnet die IEA allerdings ein trübes Bild. Die Länder sind insgesamt auf Kurs, um ihre im Rahmen des Pariser Klimaabkommens gemachten nationalen Zusagen zu erfüllen. Diese Ziele sind jedoch nicht ausreichend, um die Erderwärmung effektiv zu begrenzen. Der CO2-Preis in den EU-Staaten wird im „New Policies Scenario“ in 2040 bei knapp 40 €/t CO2 gesehen.

enervis Strompreisprognose Deutschland

Allerdings fehlt es im WEO an Einschätzungen zur Entwicklung länderspezifischer Strompreise. Basierend auf den Commodity-Annahmen des WEO „New Policies Scenario“, haben die Energieökonomen der enervis energy advisors GmbH mit dem unternehmenseigenen europäischen Energiemarktmodell eine entsprechende Strompreisentwicklung für den deutschen Markt prognostiziert. Ergänzt um weitere aktuelle Annahmen, wurden die Brennstoff- und CO2-Preisannahmen des WEO „New Policies Scenarios“ in Strompreisprojektionen übersetzt. Wichtige flankierende Eckdaten sind ein unterstellter Ausstieg aus der Kohleverstromung in Deutschland bis 2038 und das Erreichen des 65%-Erneuerbaren Energien-Zieles in 2030.

„Unsere Modellierungen zeigen, dass das Strompreisniveau in Deutschland in den nächsten Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter steigen wird. Preistreibend wirken – neben den aus dem WEO unterstellten steigenden Brennstoff- und CO2-Preisannahmen – insbesondere strukturelle Entwicklungen. Ein absehbarer Ausstieg aus der Kohleverstromung bis Ende der 2030er Jahre im Verbund mit der Stilllegung der letzten Kernkraftwerke Ende 2022, zementiert den fundamentalen Trend zu steigenden Strompreisen.“ so Mirko Schlossarczyk von enervis.

Strompreisniveau weiter steigend

Der Jahres-Basepreis wird 2025 bei etwas über 60 €/MWh (real 2018) gesehen und auch in den Folgejahren leicht steigend prognostiziert. Allerdings kann der weitere kontinuierliche Ausbau der Erneuerbaren Energien in Hinblick auf das 65%-Ziel spürbar preisregulierend wirken, wobei der Ausbau nicht mehr nur allein in einem Vergütungssystem à la EEG, sondern auch außerhalb eines Förderregimes finanziert wird. Für die nachfolgenden Jahre bis 2040 sehen die enervis-Experten in dem betrachteten Szenario daher den Jahres-Basepreis in einem Korridor von 60 bis 65 €/MWh (real 2018).

Allerdings sollte diese Entwicklung nicht darüber hinwegtäuschen, dass die unterjährige Volatilität der Stundenstrompreise – unter dem heute absehbaren Strommarktdesign – ab Anfang der 2020er Jahre deutlich zunehmen kann. Die meteorologischen Abhängigkeiten werden bei wachsenden Wind- und Solarkapazitäten steigen und flankierend führt ein deutlicher Kapazitätsrückgang bei Kohle- und Kernkraftwerken zu geringerer gesicherter Kraftwerksleistung.

enervis verfügt über etablierte energiewirtschaftliche Prognose- und Bewertungstools für fundierte Strompreisprognosen und Strommarktanalysen. Mit dem European Power Market Outlook 2045 bietet enervis unabhängige und anerkannte Strompreisprognosen und Marktanalysen für alle relevanten europäischen Strommärkte an.

Ihr Ansprechpartner bei enervis

Herr Mirko Schlossarczyk mirko.schlossarczyk@enervis.de
Tel. 030 695 175 17

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