Geringer Wettbewerb, hohe Preise – die Biomasse-Ausschreibung vom 01.09.2018

Vor wenigen Tagen hat die Bundesnetzagentur die Ergebnisse der zweiten Ausschreibungsrunde für Biomasse bekanntgegeben. Wie schon im letzten Jahr, fanden sich auch dieses Mal nicht genügend Angebote, um die Ausschreibungsmenge von ca. 225 MW zu füllen. Die resultierenden Zuschlagswerte lagen somit bei den jeweiligen Höchstwerten für Neu- und Bestandsanlagen. Was Betreiber von Altanlagen und Planer von Neuanlagen aus dieser Historie für die kommenden Auktionsrunden ableiten können, zeigt dieser enerviews.

Zentrale Ergebnisse

In der Biomasse-Ausschreibung werden pro Jahr 150 MW für bestehende sowie neue Biomasse-Anlagen gemeinsam vergeben. Diese Menge wird gemindert durch gesetzliche Inbetriebnahmen im Vorjahr, sowie erhöht durch nicht ausgeschöpfte Mengen der Vorauktion. Somit ergab sich für den 1.9.2018 ein Volumen von 225,8 MW. Auf diese Nachfrage wurden 79 gültige Gebote mit insgesamt 76,5 MW abgegeben und bezuschlagt. Für Altanlagen lag das höchste bezuschlagte Gebot damit beim Höchstwert von 16,73 ct/kWh. Abbildung 1 fasst die wesentlichen Ergebnisse noch einmal in tabellarischer Form zusammen und stellt sie den Ergebnissen der vorherigen Auktion im September 2017 gegenüber.

Es zeigt sich, dass – getrieben durch den geringen Wettbewerb – hohe Gebotspreise erzielt werden konnten. Die jährliche Absenkung der Höchstwerte um 1% hat hierbei die Grenzpreise leicht absinken lassen. Die Erfahrungen aus der Auktionsrunde vom September 2017 haben bei den Bietern wohl verstärkt zu strategisch hohen Geboten (v.a. bei Neuanlagen, bei Bestandsanlagen maximal in Höhe der mittleren anzulegenden Werte der letzten drei Jahre) geführt.

Mehr als 50% der Gebote stammen in der Runde 2018 von Anlagen der Kategorien 150-500 kW sowie kleiner 150 kW, wobei diese Gruppen lediglich 10% der insgesamt bezuschlagten Leistung ausmachen. Eine Statistik der teilnehmenden Größenklassen ist in Abbildung 2 zu sehen.

Es zeigt sich, dass das Anlagensegment kleiner 150 kW, starken Gebrauch von der Ausnahmeregelung zur Auktionsteilnahme für Bestandsanlagen macht. Einen wesentlichen preistreibenden Effekt haben diese Anlagen im Markt jedoch nicht. Trotz ihrer meist hohen historischen Vergütungssätze können sie auf der einen Seite wettbewerbsfähig unter dem Höchstpreis bieten, auf der anderen Seite ist ihre gesamte Gebotsleistung im Vergleich zu den größeren Anlagenklassen aber gering.

Die meisten Großanlagen nutzen dabei feste Biomasse, wohingegen die meisten Kleinanlagen auf das Segment der Biogasanlagen entfallen. Daneben wurden jeweils eine Biomethan-Anlage sowie eine Anlage mit flüssiger Biomasse bezuschlagt. Abbildung 3 zeigt auf, wie viele Zuschläge auf die jeweilige Brennstoffkategorie entfallen und welche mittlere Anlagengröße dabei bezuschlagt wurde.

Bezüglich der regionalen Verteilung der Zuschläge entfallen die mit Abstand meisten Zuschläge sowohl mengenmäßig (36) als auch bezogen auf die Leistung (27 MW) wie beim letzten Mal in 2017 auf Bayern. Abbildung 4 zeigt die Verteilung der Zuschläge nach Bundesländern.

 

Implikationen für die nächste Runde

Was viele Akteure so erwartet haben, hat sich letztendlich auch eingestellt – die zweite Biomasseauktion war massiv unterzeichnet. Gründe hierfür liegen unter anderem in der geringen Anzahl genehmigter Neuanlagen, die an der Ausschreibung teilnehmen können.

Das weitaus größere Angebotspotenzial jedoch – die Bestandsanlagen – steht vor zwei Herausforderungen, die sich auch aus dem Ausschreibungsdesign ergeben. So dürfen diese Anlagen maximal den mittleren anzulegenden Wert der letzten drei Jahre bieten. Daneben können alte Anlagen zwar bereits 8 Jahre vor ihrer erstmaligen Förderung an der Ausschreibung teilnehmen, der optimale Teilnahmezeitpunkt im Hinblick auf eine maximale Gesamtförderdauer ergibt sich jedoch erst ab dem dritten Jahr vor Ablauf der Erstförderung – für viele Anlagen erst in den kommenden Jahren.

Berücksichtigt man dies, so liegt die Vermutung nahe, dass sich in den kommenden Jahren die Angebotsmengen aus dem Altanlagensegment deutlich ausweiten könnten. Auch haben die ersten Ausschreibungsrunden in anderen Märkten und Technologien gezeigt, dass zu Beginn gewisse Anlaufschwierigkeiten bestehen. Dies sollte sich hin zu späteren Runden langsam normalisieren. Gestützt wird diese Vermutung auch durch die Ausweitung des Angebots von 27,5 auf 76,5 MW; somit um rd. 280%.

Durch die Übertragung nicht bezuschlagter Mengen aus 2018 ins Folgejahr (ca. 150 MW), wird nun jedoch auch in 2019 wieder eine große Leistung ausgeschrieben. Geht man davon aus, dass 22 MW von neuen Anlagen mit gesetzlicher Bestimmung der Vergütungshöhe in 2018 in Betrieb genommen werden, die gleichermaßen auch bei der Bestimmung des Ausschreibungsvolumens zu berücksichtigen sind, so werden in der 2019er Auktion ca. 277 MW ausgeschrieben. Unter diesen Rahmenbedingungen wäre also eine Ausweitung des Angebots um 300% ggü. 2018 nötig, damit das Ausschreibungsvolumen gedeckt wird.

Hierdurch könnten sich für viele potenziellen Bieter Möglichkeiten ergeben, noch einmal hohe Zuschläge in einer Ausschreibung zu realisieren. Jedoch zeigen Analysen der enervis, dass bei Aktivierung des potenziellen Gebotsfeldes, der Wettbewerb auch schnell anziehen kann. Unternehmen, die Neuanlagen entwickeln und die Betreiber von Bestandsanlagen sollten eine Teilnahme in 2019 prüfen und frühzeitig beginnen, eine Gebotsstrategie zu entwickeln. Eine Teilnahme ist dabei für alle Anlagen interessant, die wirtschaftliche Gebote zu den jeweiligen Höchstsätzen abgeben können.

Dabei gilt es auch, das Risiko regulatorischer Änderungen im Blick zu behalten. Sollte es 2019 erneut zu einer deutlichen Unterzeichnung kommen, ist eine Anpassung des Auktionsdesigns, mindestens aber eine Reduktion der Ausschreibungsmengen, gut vorstellbar.

Es heißt also: Die Teilnahme an den kommenden Auktionsrunden könnte sich durchaus lohnen! Potenzielle Bieter von Bestands- und auch Neuanlagen sollten sich somit bis zum nächsten Termin noch stärker mit dem Markt beschäftigen. Eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Teilnahme ist – noch stärker als zuvor – den Markt richtig einzuschätzen und hierauf aufbauend das eigene Gebotsverhalten strategisch zu optimieren.

enervis verfolgt den Markt dabei intensiv und hat für die Biomasse-Ausschreibung ein stochastisches Auktionsmodell entwickelt, mit dessen Hilfe sich die Ausschreibungsergebnisse der kommenden Runden für unterschiedliche Mengenszenarien analysieren lassen.

Sollten Sie Unterstützung durch Auktionssimulation oder bei der Bestimmung einer geeigneten Gebotshöhe benötigen, stehen wir Ihnen gern telefonisch zur Verfügung (030 695 175 17).

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